BMW-i-Chefdesigner Jacob: «Die Zukunft muss greifbar werden»

Bei BMW kommen die Elektroautos von einer neuen Untermarke mit dem Namen «i». BMW-i-Chefdesigner Benoit Jacob erklärt, warum Autos mit einem alternativen Antrieb eine neue Formensprache brauchen.

zero: Ist es quasi Pflicht für einen Automobil-Hersteller, dass sich seine Fahrzeuge mit alternativen Antrieben auch optisch deutlich von «Normal-Programm» unterscheiden?

Jacob: Die BMW Group bekennt sich mit BMW i klar zur Elektromobilität. Wir übernehmen damit eine Vorreiterrolle und beweisen eine visionäre Kraft, die sich auch im Design der Automobile widerspiegeln soll. Fortschrittliches und konsequent auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Denken ist nicht nur ein Prozess, der sich im Inneren abspielt. Dieses neue Denken wirkt sich auch auf die gesamte Gestaltung der Automobile aus und führt letztlich zu einer eigenständigen Formensprache. Natürlich ist die Technologie beider Konzeptfahrzeuge von BMW i wegweisend für die Zukunft. Das Design muss dabei zeigen, dass die Zukunft schon greifbar ist.

zero: Oder darf man das i-Programm von BMW als Chance für die Designer sehen, einen komplett neuen Weg zu gehen?

Jacob: Selbstverständlich ist das eine enorme Chance für uns als Designer. Wir haben die Submarke BMW i völlig neu erdacht. Sozusagen von einem weissen Blatt Papier aus. Dabei geht es aber nicht um die Selbstverwirklichung von uns als Designer. Es geht darum, im Sinne der Idee eine revolutionäre Konstruktion, eine für die Zukunft unserer Gesellschaft wegweisende Gestaltung der Mobilität aufzusetzen.

zero: Wieso werden die alternativen Antriebe nicht einfach in die bestehenden Modelle eingebaut?

Jacob: Im Grunde genommen ist ein Automobil heute ein ausgereiftes, hochkomplexes und nahezu perfektes Produkt. Solange also die Gegebenheiten unverändert bleiben, wird auch das Design diesem über 100 Jahre alten Entwicklungsstrang folgen. Mit BMW i haben wir jedoch Bestehendes in Frage gestellt und durch Neuerungen wie dem elektrischen Antrieb oder der Leichtbauweise eine völlig neue Formensprache entwickelt.

zero: Was müssen Designer besonders beachten bei Fahrzeugen mit alternativen Antrieben?

Jacob: BMW i steht für Elektromobilität. Diese neue Antriebsform ist die zentrale Prämisse für die gesamte Gestaltung der Automobile. Wir hätten diese Leistung unmöglich ohne eine konstruktive und intensive Zusammenarbeit mit den Ingenieuren erbringen können. Als Designer ist es für mich unbedingt erforderlich, jeden einzelnen technologischen Entwicklungsschritt bis ins kleinste Detail verstehen zu können. Nur dann können wir im Design auch Verständnis für unseren Entwicklungspartner mitbringen und neue Technik in der Formensprache zum Ausdruck bringen.

zero: Aerodynamik ist ein ganz wichtiges Thema bei Elektro-Fahrzeugen. Doch das Thema ist (automobil-geschichtlich gesehen) schon alt, können Sie da überhaupt noch Fortschritte machen?

Jacob: In der Tat, Aerodynamik hat Designer und Ingenieure schon immer fasziniert. Wir beleuchten aber das Thema Aerodynamik von einer neuen Seite: Ergänzend zum eigentlichen Zweck der Effizienzsteigerung laden wir Aerodynamik emotional auf und machen sie zu einer fühlbaren Erfahrung. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Wir machen Aerodynamik anziehend.

zero: Sie arbeiten mit neuen Werkstoffen, vor allem Karbon. Haben da die Designer jetzt ganz neue Möglichkeiten bei der Gestaltung?

Jacob: Materialien wie CFK oder Naturfaser-Kunststoffe geben uns die Chance, eine völlig neue Form der Ästhetik und des Designs zu kreieren. Karbon verfügt, über seine Eigenschaften als leichter und sicherer Werkstoff hinaus, über eine hochstabile Struktur, die uns neue Möglichkeiten der Gestaltung gibt. Beispiele hierfür sind die spektakuläre Türöffnung des BMW i8 Concepts oder die Funktionalität des BMW i3 Concepts.

zero: Wo holen Sie sich Ihre Inspirationen?

Jacob: Ganz grundsätzlich beziehe ich meine Inspiration aus den Denkweisen anderer Industrien, anderer Bereiche, zum Beispiel aus der Luftfahrt oder auch aus der Musik. Dabei bin ich kein eingefleischter Fan einer Band oder eines speziellen Musikers. Es geht mir um Künstler, die die gewohnten Gesetzmässigkeiten ihrer Branche durchbrechen und dabei zu genialen Ergebnissen gelangen. Kate Bush ist so ein Beispiel. Sie nimmt mit ihren Projekten grosse Risiken auf sich, wagt immer Neues und kreiert dabei einen ganz eigenen, zeitlosen und unverkennbaren Stil. Auf Produktebene haben wir uns z.B. beim BMW i3 Concept von der Architektur und dem Produkt- bzw. Möbeldesign inspirieren lassen.

BENOIT JACOB: Der 41-jährige Franzose ist seit September 2009 Chefdesigner von BMW i. Zuvor arbeitete er unter anderem bei Renault.

Text: Peter Ruch

Bilder: Werk

www.bmw.ch

www.bmw-i.com

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