Zeitgemässes Reisen im Opel Ampera
Ein Selbstversuch: wie schafft man mit dem Opel Ampera so umweltschonend wie möglich die 1500 Kilometer nach Dänemark? Nur mit Strom geht es nicht – aber der Versuch macht Spass.
Natürlich ist es ärgerlich: Genau zwei Kilometer fehlen uns, dann hätten wir es geschafft, von Burgdorf bis zum Bahnhof in Lörrach rein elektrisch zu fahren. Aber die 91,2 Kilometer, die wir mit dem Opel Ampera ohne CO2-Emmissionen zurückgelegt haben, die dürfen sich sehen lassen; wäre da vor Lörrach nicht noch dieser zwar sanft, aber lang ansteigende Hügel gewesen, dann hätte es wohl gereicht, nur mit Strom. Doch jetzt setzt, kaum spürbar, angenehm ruhig, der «Range Extender» ein, ein 1,4-Liter-Benzinmotor, der uns problemlos zum Verladeort für den Hotelzug nach Hamburg-Altona bringt.
Der Plan ist einfach: wir wollen nach Dänemark, ganz nach oben in Nord-Jütland, in die Nähe von Skagen. Das sind rund 1500 Kilometer – eine Strecke, für die ein Elektroauto, und als solches gilt der Opel Ampera, eigentlich nicht geeignet ist. Der Opel verfügt über eine Batterie, mit der er zwischen 60 und 90 Kilometer rein elektrisch fahren kann, und dazu über besagten «Range Extender», der die Reichweite auf über 500 Kilometer vergrössert. Das grösste Problem eines EV, die Reichweite, ist mit dieser Konstruktion Schnee von gestern.
Wir haben da so ein paar Ideen, wie wir die Reise mit einem so geringen Verbrauch wie nur möglich schaffen können: So werden wir rund 900 Kilometer der Strecke mit dem Autozug der Deutschen Bahn zurücklegen, von Lörrach nach Hamburg-Altona, über Nacht. Das ist nicht nur bequemer, sondern halt auch – modern, zeitgemäss, umweltbewusst. Und: die Kinder lieben es. Das Verladen des Opel Ampera ist spannend, das Warten neben dem Zug, bis alle Autos über die Rampe gefahren sind, macht ihnen sicher mehr Spass als ein paar Stunden auf der Autobahn, und das Übernachten im Hotelzug ist für sie auf jeden Fall erholsamer als im Kindersitz. Dazu kommt auch noch der Aspekt der Sicherheit: 900 Kilometer ohne Stress sind für den Piloten Gold wert. Hingegen: ganz billig ist der Spass nicht, nur wer frühzeitig reserviert, kriegt noch die günstigen Tarife.
Kurz nach acht Uhr morgens kommen wir in Hamburg-Altona an. Im Vorfeld haben wir uns über http://www.lemnet.org informiert, wo die nächste Stromtankstelle ist. Diese würde sich ganz in der Nähe des Bahnhofs befinden, doch auf die Reeperbahn wollen wir am frühen Morgen nicht unbedingt, also fahren wir, im Benzinbetrieb, an die Elbchaussee, wo es eine weitere Station gibt. Dort hängen wir den Ampera an den Strom an (die Nutzerkarte hatten wir uns im Vorfeld besorgt, abgerechnet wird über die Kreditkarte) – und wir gehen unterdessen ausführlich frühstücken. In Deutschland ist es kein Problem, den Ampera wieder zu «tanken», die Steckdosen sind mit 32 Ampère abgesichert, da geht es ziemlich schnell, bis der Opel wieder geladen ist, nach etwas mehr als zwei Stunden Wartezeit fahren wir mit fast 100 Prozent Batterieleistung weiter in Richtung Flensburg.
In Neumünster, etwas mehr als 60 Kilometer nördlich von Hamburg, hätte es wieder eine Ladestation, doch wir wollen ja so ein bisschen vorwärtskommen, und fahren deshalb zuerst rund 70 Kilometer unter Strom, dann noch gut 90 Kilometer bis nach Glücksburg, wo es eine «Park & Charge»-Station hat – unterdessen ist es ja schon fast Zeit zum Mittagessen. Den Umweg nehmen wir in Kauf, es hätte näher bei der Autobahn eine andere, private Möglichkeit, doch bei «Park & Charge» befindet sich eine «schnelle» Möglichkeit, und die wollen wir nutzen. Es dauert nicht einmal eine Stunde, und schon sind wir wieder unterwegs. Die Kosten für einmal «laden»: 4,50 Euro.
Doch jetzt wird es: düster. In ganz Dänemark gibt es bisher genau zwei Stromtankstellen – und beide liegen beim besten Willen nicht an unserem Weg. Das ist ziemlich enttäuschend, denn gerade Dänemark unternimmt grosse Anstrengungen in Sachen e-Mobilität. Irgendwann soll es in diesem Land, das dank Windkraft grosse Mengen an Öko-Strom produziert, eine halbe Million Stromtankstellen geben, bloss nützt uns das im Moment nichts, denn wir brauchen ja jetzt eine Stromtankstelle, nicht irgendwann dann.
Doch unser Ampera ist ja «vollgetankt», sowohl mit Strom wie auch mit Benzin, Dänemark ist sehr flach, wir rollen schön mit 130 km/h quer durchs Land. Und schaffen die etwas mehr als 400 Kilometer, die uns bis zu unserem Ferienziel noch fehlen, dank der vollen Batterie, die uns die ersten 80 Kilometer antreibt, mit einem Durchschnittsverbrauch von 3,7 Litern. An unserem Ziel angekommen, haben wir für die theoretisch 1480 Kilometer Wegstrecke weniger als 20 Liter Benzin verbraucht. Und dies mit drei Personen im Auto sowie jeder Menge Gepäck.
In unserem Ferienhaus wollen wir den Ampera an den Strom anschliessen. Doch da geht dann einmal gar nichts – es fehlt uns der entsprechende Adapter für die Steckdose. Diesen haben wir dann zwar schnell aufgetrieben, doch es geht noch immer noch, denn in Dänemark verfügen anscheinend nicht alle Häuser über geerdeten Strom, und ohne geht gar nichts. Doch in einem Hotel in der Nähe finden wir dann die entsprechende Steckdose, und so können wir dann unsere Ausflüge wieder absolut umweltschonend unternehmen.
Text/Bilder: Peter Ruch




