Kein Schiffbruch
Der Lexus CT 200h ist ein edles Hybridauto in der Kompaktklasse. Das einzige was ihm fehlt ist etwas mehr Rasse. Doch im Test vermochte er dennoch zu überzeugen.
Die Leistungsdaten klingen nicht gerade nach einem Premium-Kompakten. 98 PS, stufenloses CVT-Getriebe und ein Elektromotor, der nochmals 38 Pferdestärken beisteuert. Dazu ein Gewicht von knapp 1,5 Tonnen. Nun, ganz so schlimm ist es dann doch nicht gekommen. Wirklich schnell unterwegs waren wir mit dem edlen Mittelklasseauto natürlich nicht. Aber, wir waren sehr sparsam unterwegs – doch das hat bei uns ja nach wie vor nicht erste Priorität. Doch die nur 136 PS Systemleistung waren es nicht, die uns am meisten gestört haben.
Vielmehr nervte uns die Tatsache, dass Lexus dem Hybriden ein tolles Fahrwerk verpasst hat. Der kleine Japaner geht verdammt locker ums Eck, mag es sehr, auch mal getreten zu werden. Anbremsen, Scheitelpunkt anvisieren und dann: voll aufs Gas. Aber bitte wirklich voll, dann zieht der CT 200h wenigstens ein bisschen aus der Kurve. Die gut abgestimmte Lenkung, die aufwändige Radführung, die standfesten Bremsen – alles für Katz’? Natürlich nicht, denn mit dem Lexus kann man nicht nur schnell um die Kurve (sofern man es geschafft hat, genügend Tempo aufzubauen), er rollte auch sehr souverän ab und bietet den Passagieren trotz des Sporttalents auch ein gerüttelt Mass an Fahrkomfort. Also defintiv kein Schiffbruch für den agilen Japaner. Ebenfalls für eine zügigere Gangart geeignet wären die feinen Sitze. Der Seitenhalt ist mehr als ausreichend und die Verstellmöglichkeiten mannigfach. Doch vielleicht haben sich die Lexus-Ingenieure ja auch ganz andere Überlegungen gemacht, als sie das Auto entwickelten. Ein Hybridantrieb bringt bekanntlich am meisten, wenn das Fahrzeug in einer urbanen Umgebung bewegt wird. Viel Stop-and-go, geringe Durchschnittsgeschwindigkeiten und Staus gehören in und um die City zum täglichen Brot. Damit es dem Fahrer in der morgendlichen Rush-Hour nicht langweilig wird und sich für den Bürotag aufwärmen kann, hat Lexus dem CT 200h (wie allen anderen Modellen auch) ein Bediensystem spendiert, dass jeder von seinem Büro-PC kennt.
Auf der Mittelkonsole sitzt eine fix montierte Maus (eine schwarze, nicht dass jemand denkt, wir sehen weisse Mäuse), inklusive Zusatztasten. Damit kann man in den Menus, den Untermenus und den Unter-Unter-Unter-Menus kramen, bis es endlich wieder vorwärtsgeht. Im Lexus kann man selbst das kleinste Details nach seinem Geschmack einstellen. Wer sich einen CT 200h zulegt, tut gut daran, erst einmal einen Vormittag für die Programmierung einzurechnen. Individualisierung auf japanisch nennen wir das mal.
Doch die Japaner bauen ein Hybridfahrzeug natürlich
nicht nur, damit man einen Computer auf Rädern im Angebot hat. Man will damit den Verbrauch und die Emmissionen senken. Lexus verspricht einen Verbrauch von 4,1 Litern auf 100 Kilometer (mit den montierten 17-Zoll-Rädern, mit Basisbereifung 3,8 L/100 km). Das haben wir natürlich nicht geschafft. Aber: mit einem Durchschnittsverbrauch von 4,6 Litern pro 100 Kilometern ist der CT 200h ein sehr sparsames Automobil, bein dem man, wie erwähnt, ausser auf etwas Leistung auf absolut nichts verzichten muss. Natürlich hat der dynamische optische Auftritt, das edle Innenleben und die Hybridtechnik ihren Preis. Mindestens 41’900 Franken kostet der Lexus, das ist nicht wenig. Macht man dann bei der Optionenliste ein paar Kreuze und bestellt die von uns gefahrene Sport-Version, wirds dann richtig teuer: 61’350 Stutz kostete «unser» CT 200h. Das ist eine ganz grosse Menge Holz für ein 136-PS-Auto.
Aber wenigstens bekommt man beim Lexus – ausser Leistung – alles mitgeliefert, was man sich unter einem «Premium»-Automobil vorstellt. Trotzdem fragen wir uns, wie viele Lexus-Fans bereit sein werden, für dieses Auto so viel Gled auszugeben. Denn beim Image hinkt Lexus nach wie vor der etablierten europäischen Konkurrenz hinterher. Und beim Preis können die Japaner wegen der Euroschwäche nicht wirklich punkten. Es wird also schwierig bleiben, das Europageschäft der Toyota-Edelmarke. Dabei gibt es am CT 200h ja wirklich fast nichts auzusetzen – aber die Autowelt ist ein hartes Pflaster.





